Kritik | House of the Dragon 3×07: Schwaches Drehbuch und Sunfyres absurdes Comeback

Foto: Promo / HBO – House of the Dragon 3×07

(Der folgende Text enthält Spoiler zur siebten Episode der dritten Staffel von House of the Dragon)

Die Alarmglocken läuten laut in den Hallen von Westeros. House of the Dragon 3×07 bremst den anfänglichen Hype der aktuellen Staffel komplett aus und liefert ein ziemlich problematisches Drehbuch. Die Episode „Der Drache im Winter“ versucht hartnäckig, ihre narrativen Schwächen mit plötzlichen Wendungen und hohler Action zu kaschieren. Viele treue Fans hatten nach den starken vorherigen Episoden deutlich mehr von diesem spezifischen Handlungsbogen erwartet.

Dieses siebte Kapitel hinterlässt bei den Anhängern des Franchise einen ziemlich bitteren Nachgeschmack. Die Produktion lässt die dichte, clevere Politik fallen, um auf erzählerische Abkürzungen und faule Drehbuchlösungen zu setzen. Das letzte Drittel des blutigen Krieges läuft ernsthaft Gefahr, noch vor der Ziellinie völlig die Puste zu verlieren. Die Showrunner scheinen den Fokus auf die komplexen Ränkespiele der Adelshäuser aus den Augen verloren zu haben.

Anstatt die inneren Konflikte der Protagonisten zu vertiefen, setzt die Regie lieber auf schnelle Schockmomente, die rasch ihre Wirkung verlieren. Es frustriert extrem, wenn eine bisher so dichte Handlung genau dann stolpert, wenn sie eigentlich glänzen sollte. Die Zuschauer fordern Konstanz ein, denn der Kampf um den Eisernen Thron hat viel mehr narrative Sorgfalt verdient. Niemand möchte sehen, wie Charakterentwicklungen für plumpe Schauwerte einfach geopfert werden.

House of the Dragon 3×07 leidet unter Entscheidungen ohne Konsequenzen

Die Autoren haben sich die gefährliche Angewohnheit zugelegt, riesige Ereignisse komplett aus dem Nichts zu erschaffen. Das direkte Aufeinandertreffen von Rhaena und dem wilden Drachen Schafsdieb zeigt diese kreative Faulheit absolut perfekt. Die Serie opfert echte politische Konflikte für einen generischen Familienstreit mit Schuppen, der nirgendwo hinführt.

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Dieser Kampf sieht optisch wirklich cool aus, hat aber null dramatisches Gewicht für die übergreifende Story. Der Konflikt dient nur als weitere billige Ausrede für Daemon Targaryen, wertvolle militärische Informationen zurückzuhalten. Diese Dynamik des Hauptpaares steckt in einer ermüdenden Endlosschleife aus Misstrauen und immer gleichen Streitereien fest. Fans der Buchvorlage zeigen sich auf Social Media bereits genervt von diesem Stillstand.

Das Publikum verpasst die Chance, die harten Konsequenzen von Führung und Machtausübung auf dem Kontinent zu sehen. Das Drehbuch reitet lieber auf denselben Eheproblemen herum, anstatt die Figuren auf dem Schachbrett der Thronfolge strategisch zu bewegen.

Rhaenyra Targaryens Absturz und die Verrücktheiten in Harrenhal

Foto: Promo / HBO – House of the Dragon 3×07

Der Handlungsbogen von Rhaenyra Targaryen erleidet in dieser Runde eine sichtbare und sehr bedauerliche Abwertung. Die Serie drängt die Monarchin aus der aktiven Regierungsarbeit, die uns früher die absolut besten Dialoge des Jahres bescherte. Der Fokus verschiebt sich plötzlich auf seltsame Interaktionen mit Helaena und sexuelle Manipulationen durch Mysaria.

Weit weg von der Hauptstadt sorgt Alicents Anwesenheit in Harrenhal bei den Zuschauern für sehr gemischte Gefühle. Die Ex-Königin stellt sich den Perversionen und der extremen familiären Obsession ihres eigenen einäugigen Sohnes. Diese intime Spannung funktioniert isoliert betrachtet gut, sperrt den Hauptantagonisten des Krieges aber im selben Setting komplett ein.

Man bekommt stark das Gefühl, dass Aemond in dem verfluchten Schloss völlig ziellos vor sich hin vegetiert. Der Nebenplot wirkt komplett losgelöst von der harten militärischen Realität, die den Rest der Sieben Königslande gerade verschlingt.

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Sunfyres billiger Trick und Ormunds militärische Strategie

In Tumbleton trägt Ormund Hightower die gesamte militärische Strategie der Grünen ganz allein auf seinen Schultern. Der Lord benutzt Corlys Velaryon als Geisel, um die Flottenunterstützung der Schwarzen effektiv zu blockieren. Er manipuliert auch den Bastard Ulf und zeigt dabei großes Geschick hinter den taktischen Kulissen des blutigen Konflikts.

Trotz dieser offensichtlichen Intelligenz scheint die Figur ein völlig isoliertes Spiel vom Rest der Besetzung zu spielen. Der innerste Kreis des alten Königs liefert derweil die erzwungenste Wendung der gesamten Ausstrahlung ab. Larys lässt Aegon auf bizarre Weise im Stich, nachdem er herausfindet, dass alliierte Soldaten nach Tyland suchen.

Um die dramatische Situation noch schlimmer zu machen, taucht Sunfyre wundersamerweise aus dem Nichts auf, um feindliche Truppen zu verbrennen. Der Drache kehrt völlig ohne Vorwarnung zurück, nur um das Leben des sterbenden Monarchen in letzter Sekunde zu retten. Die Szene wirkt wie ein extrem billiger Trick, der die Zuschauer ohne jede logische Rechtfertigung schockieren soll.

Dieses siebte Kapitel verschwendet einen riesigen Teil des Potenzials, das in den letzten Wochen mühsam aufgebaut wurde. HBO geht das große Risiko ein, ein erzählerisches Ende zu liefern, das genauso enttäuscht wie das Finale des zweiten Jahres. Das Team muss den Kurs sofort korrigieren, sonst endet der mit Spannung erwartete Tanz der Drachen komplett glanzlos.

Kritikerwertung

Akzeptabel

Wellington Farias

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