Kritik | House of the Dragon 3×06 Kritik: Der Tod von Criston Cole und das Chaos in Westeros

Foto: Presse / HBO – House of the Dragon 3×06

(Der folgende Text enthält Spoiler zur sechsten Episode der 3. Staffel von House of the Dragon)

Das Spiel der Throne hat sich wieder einmal komplett gedreht, aber diesmal mit einigen schmerzhaften Stolpersteinen auf dem Weg. Unsere House of the Dragon 3×06 Kritik analysiert genau, wie die Serie das allgemeine Tempo plötzlich anzieht.

Wir bekommen ein Drehbuch serviert, das vollgepackt ist mit aggressiven Zügen und harten Konsequenzen. Todesfälle, Entführungen, Attentate und völlig neue politische Arrangements dominieren gerade die Bildschirme bei HBO.

Fans, die ein langsames Erzähltempo erwartet haben, erleben eine große Überraschung. Die Spannung erreicht mittlerweile einen unhaltbaren Siedepunkt. Die drastischen Entscheidungen der Figuren fordern endlich ihren Tribut.

Diese Episode mit dem Titel „Männer ohne Gesicht“ rüttelt die Figuren auf dem Brett sehr grob und ohne viel Vorsicht durcheinander. Die Serie versucht, mehrere offene Handlungsstränge mit einem einzigen Schlag aufzulösen.

Um das zu erreichen, nutzen die Showrunner leider einige sehr fragwürdige Abkürzungen. Das Endergebnis liefert auf dem Papier zwar gute Ideen. Dennoch leidet die Folge unter einer dramaturgisch sehr zweifelhaften Umsetzung auf dem Bildschirm. Wir hatten uns an diesem Punkt des Krieges einen flüssigeren Ablauf erhofft.

House of the Dragon 3×06 Kritik und das enttäuschende Ende von Criston Cole

Der Tod von Criston Cole führt ganz klar die Liste der gravierenden Probleme in diesem Kapitel an. Der Lord Kommandant bekam einen geradezu lächerlichen und überstürzten Abschied.

Seine letzten Momente wirken völlig losgelöst von seiner enormen anfänglichen Bedeutung für die Handlung. Die Selbstmordmission des Charakters diente in dieser Staffel nur dazu, die Bildschirmzeit irgendwie zu füllen.

Das Publikum hat gesehen, wie er früher völlig unmögliche Situationen überlebt hat. Das lässt dieses Ende extrem billig wirken. Die Fans hätten einen würdigen Abschluss für den größten Antagonisten der Serie verdient.

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Die Autoren haben eine billige Erlösung für den ehemaligen Königsgardisten massiv erzwungen. Sie stützten diese Entscheidung auf die romantisierte Idee, als freier Mann zu sterben.

Diese Wahl ignoriert die ganzen Gräueltaten, die er in der Vergangenheit begangen hat, völlig. Cole begann die Serie als zentrale, hochkomplexe Figur. Nun landet er einfach in der erzählerischen Mülltonne.

Der Abschluss dieses langen Handlungsbogens bringt kein echtes Gewicht für das restliche Universum von Westeros. Auch Rhaenas Geschichte folgt einem sehr frustrierenden und nebensächlichen Pfad.

Jeyne wirft sie offiziell aus dem Grünen Tal. Das passiert, nachdem das Mädchen versucht hat, Baela heimlich zu besuchen. Die junge Targaryen dient weiterhin nur als lose Spielfigur auf dem Brett.

Die Autoren schieben sie auf der Karte nur so herum, wie es das Drehbuch gerade braucht. Sie braucht dringend eine eigene, handfeste Motivation.

Aemonds Seifenopern-Mystik in Harrenhal

Der gesamte Handlungsstrang in Harrenhal flirtet ganz offen mit mystischer und dramatischer Übertreibung. Alys Strom offenbart ein Nest mit fünf Dracheneiern, die in der verfluchten Burg versteckt sind.

Diese riesige Enthüllung wirkt extrem überstürzt und schlecht erklärt. Die Hexe schlägt Aemond Targaryen frech eine gemeinsame Herrschaft vor. Sie besiegelt diese seltsame politische Allianz sogar mit einem Kuss.

Die ganze Sequenz wirkt für dieses düstere Universum völlig unpassend. Diese seltsame Beziehung driftet direkt in den Tonfall einer billigen Seifenoper ab. Sie isoliert den Prinzen komplett von dem echten, blutigen Krieg, der draußen tobt.

Wir brauchen ihn als Kommandant von Armeen, nicht beim Spielen in einer Spukruine. Die Serie muss diese endlosen Visionen und Versprechungen dringend in konkrete Taten umsetzen.

Harrenhal darf nicht weiter nur als gruseliges Wartezimmer funktionieren. Die militärischen Auseinandersetzungen müssen jetzt sofort beginnen.

Daemon und die Krimi-Atmosphäre in Königsmund

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Zum Glück liefert die Episode großartige Momente, wenn sie sich auf den raschen Verfall der Hauptstadt konzentriert. Daemon übernimmt eine exzellente Handlung, getarnt als einfacher Soldat der Stadtwache.

Das ist eine fantastische Rückkehr zu seinen Wurzeln. Der rebellische Prinz ermittelt aktiv und richtet einen lokalen Kriminellen hin. Das bringt die hochgelobte Krimi-Atmosphäre in die Serie zurück.

Es erdet die Fantasy-Elemente mit einem sehr rauen Realismus. Auf den schmutzigen Straßen hat die Regierung von Rhaenyra Targaryen massiv zu kämpfen. Sie scheitert daran, auch nur ein Minimum an Ordnung unter dem einfachen Volk aufrechtzuerhalten.

Die Stadt verrottet unter ihrer Aufsicht rasant. Die Krone hat mit täglichen Fahnenfluchten der Wache und einem massiven Anstieg der normalen Kriminalität zu kämpfen.

Sie merken schnell, dass das Sitzen auf dem Eisernen Thron noch der einfachste Teil war. Eine hungernde Stadt zu regieren, ist ein absoluter Albtraum. Um die explodierende städtische Gewalt einzudämmen, ergreift die Königin eine sehr drastische Maßnahme.

Sie verspricht, die Soldaten des Hauses Velaryon einzusetzen, um die Gassen der Hauptstadt streng zu überwachen. Diese harte Entscheidung militarisiert die innere Verwaltung der Stadt.

Es unterstreicht perfekt die Verhärtung der aktuellen Schwarzen Herrschaft. Rhaenyra verliert ihren Einfluss auf die einfache Bevölkerung.

Ormund, Corlys und die Spannung der Drachensamen

Weit weg von der Hauptstadt zeigt Ormund Hightower weiterhin seine exzentrische und finstere Persönlichkeit. Der gescheiterte Mordanschlag auf den Lord bietet eine wirklich großartige Spannungssequenz.

Das Drehbuch verbirgt geschickt das wahre Ziel dieses neuen Antagonisten. Dennoch macht es dem Publikum seine absolute Gefährlichkeit völlig klar. Er ist ein unberechenbarer Faktor in diesem Bürgerkrieg.

Das Ende der Episode wirft dem Publikum eine massive Bombe direkt in den Schoß. Das plötzliche Verschwinden von Corlys Velaryon ist ein riesiger Schock. Diese Entführung erzeugt einen extrem starken Cliffhanger für die nächsten Schritte des Konflikts.

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Die Fans kennen die goldene Regel des Fernsehens mittlerweile. Wäre die Seeschlange wirklich tot, würde der Regisseur die Leiche definitiv auf dem Bildschirm zeigen. Wir erwarten bald eine Rettungsmission.

Währenddessen kämpfen die Bastard-Drachenreiter mit viel menschlicheren Dilemmata. Hugh versucht verzweifelt, Kat zur Flucht zu überreden. Dieser Dialog bringt die nackte Angst des normalen Bürgers perfekt auf den Punkt.

Ulf leidet weiterhin unter völlig unnötigen Demütigungen durch die Adligen. Das ist ein extrem schwerer militärischer Fehler. Die Krone wird einen sehr hohen Preis dafür zahlen, Drachenreiter wie Müll zu behandeln.

Die wiederholten Fehler von Alicent Hightower

Foto: Presse / HBO – House of the Dragon 3×06

Die grüne Fraktion leidet stark unter dem geistigen Verfall von Alicent Hightower. Die ehemalige Königin trifft furchtbare und unüberlegte Entscheidungen. Sie erinnert uns zunehmend an die blinde Arroganz des verstorbenen Königs Joffrey.

Der alte Konflikt zwischen den beiden Matriarchinnen verliert hier viel an Kraft. Alicent verhält sich wie die alleinig Schuldige für alle Fehltritte ihrer Fraktion. Die Nuancen ihres Charakters verschwinden sehr schnell.

Die Auflösung des Cliffhangers der letzten Woche ruiniert ebenfalls die vorherigen Erwartungen. Alicent und Helaena entkommen aus dem Geheimgefängnis mit einer ärgerlichen und unglaubwürdigen Leichtigkeit.

Das fühlte sich wie ein billiger Drehbuch-Trick an. Es bleibt nur zu hoffen, dass die von der grünen Königin gestellte Falle später bessere Konsequenzen hat. Im Moment wirken ihre großen Pläne unglaublich dumm.

„Männer ohne Gesicht“ übernimmt leicht den Platz des unbeständigsten Kapitels der aktuellen Staffel. Die Handlung deutet clevere Verkleidungen und tiefe Verschwörungen an. Leider fehlt der eigentlichen Ausführung eine feste und kohärente Struktur.

Die Serie hat gerade ein paar dumme Abkürzungen aus dem Weg geräumt. Nun muss sie dringend einen Endspurt liefern, der uns den Atem raubt. Die Fans warten.

Kritikerwertung

Gut

Wellington Farias

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