Foto: PR / HBO – House of the Dragon 3×02(Der folgende Text enthält Spoiler zur zweiten Folge der dritten Staffel von House of the Dragon)
Das Tempo in Westeros bleibt hoch. House of the Dragon 3×02 drückt aufs Gaspedal, um die Früchte von Trauer und offenem Krieg zu ernten.
Die Serie versucht, das langsame Tempo des zweiten Jahres mit einer Lawine von Ereignissen auszugleichen.
Das neue Kapitel mit dem Titel Die Landung der Königin bringt Blut, Eroberung und einen plötzlichen Machtwechsel. Die Produktion will scheinbar alles auf einmal klären. Das Spielfeld steht völlig auf dem Kopf.
House of the Dragon 3×02 zeigt Rhaenyra Targaryens Trauer und Zorn
Die Hauptlast der Folge ruht auf den Schultern von Emma D’Arcy. Die schauspielerische Leistung fängt Rhaenyra Targaryens Zusammenbruch nach dem Verlust ihres Sohnes perfekt ein. Der Schmerz blendet den Charakter und diktiert die neue Richtung des Konflikts.
Jaces Tod wirkt voreilig, da dem Jungen eine bessere Charakterentwicklung fehlte. Das Skript nutzt die Trauer, um rein reaktionäre politische Gewalt zu rechtfertigen. Jeder Angriff dient nun als wütende und impulsive Rache.
Die Königin betritt die Hauptstadt nicht als erleuchtete Retterin. Sie kommt verletzt, stur und bereit, sich ohne Zögern die Hände schmutzig zu machen. Rhaenyra hat nun den Eisernen Thron, verlor aber ihre friedliche Mäßigung.
Ottos Hinrichtung und fragwürdige Entscheidungen
Das Gewicht des königlichen Hasses fällt auf Otto Hohenturms Kopf. Die Hinrichtung der ehemaligen Hand des Königs fasst die historische Spannung zwischen den Anführern beider Fraktionen gut zusammen. Die Szene funktioniert, auch wenn der Veteran in der Serie unter Wert verkauft wirkt.
Auf der Grünen Seite rutscht das Drehbuch bei den weiblichen Entscheidungen stark ab. Alicent handelt ohne jeden logischen strategischen Sinn. Die Aktionen der Matriarchin haben keine wirklichen Auswirkungen auf den Kriegsverlauf.
Auch Aemond Targaryen leidet unter einer bequemen und faulen Schreibweise. Der Ausflug des Einäugigen nach Harrenhal wirkt im Moment völlig deplatziert. Der Kriegerprinz erleidet zudem eine dumme Verletzung in einer sehr schlecht aufgebauten Sequenz.
Die Eroberung von Königsmund und der Tanz der Figuren
Foto: PR / HBO – House of the Dragon 3×02Die Belagerung der Hauptstadt liefert wunderschöne Bilder auf den HBO-Bildschirmen. Rhaenyra Targaryen, Daemon, Hugh und Ulf reiten auf ihren bedrohlichen Bestien ein. Die Luftinvasion erreicht ein gewaltiges Ausmaß, das dem Westeros-Universum würdig ist.
Das Problem liegt in der übertriebenen Leichtigkeit dieser Machtübernahme. Die Kapitulation erfolgt schnell, ohne die politische Komplexität, die früher glänzte. Aemonds Abwesenheit erklärt den freien Fall, aber der Einnahme der Stadt fehlt einfach das Gewicht.
Daemon nimmt an der Invasion teil, fungiert aber nur als militärischer Arm der Schwarzen Fraktion. Der rebellische Prinz versprüht natürliches Charisma, aber die Serie reduziert seine Rolle im Krieg. Der Krieger wird zum reinen Luxussoldaten, der taktische Befehle befolgt.
Die parallelen Handlungsstränge in Die Landung der Königin
Die Folge teilt die Aufmerksamkeit auch auf die Nebenfiguren des Konflikts auf. Aegon und Larys liefern eine fast komische Dynamik im Kampf ums Überleben. Der Meister der Flüsterer bedient die verborgenen Zahnräder der Politik weiterhin gut.
An den Docks bekommt der Handlungsstrang des Hauses Velaryon gute Momente des Familiendramas. Addam trifft endlich auf Corlys und Alyns Legitimierungspläne schreiten voran. Die Umstrukturierung der Flotte holt nach den jüngsten Verlusten wieder Luft.
Rhaena steckt hingegen in einer Verfolgungsjagd fest, die scheinbar nirgendwohin führt. Der Plot um den wilden Drachen zieht das Tempo runter und wirkt bisher extrem leer. Das Publikum wartet immer noch auf einen echten Nutzen für den Charakter.
House of the Dragon 3×02 liefert der Schwarzen Seite einen vergifteten Sieg. Rhaenyra sitzt auf dem Stuhl aus Schwertern, findet aber weder Aegon noch Frieden. Die Krone gehört ihr, aber der Tanz der Drachen ist blutiger und unberechenbarer denn je.
Kritikerwertung
Sehr Gut
